TÜV-Organisationen entwickeln Zertifizierung für vertrauenswürdige KI
Vertrauen wird zum
Erfolgsfaktor für Künstliche Intelligenz: 79 Prozent der Bundesbürger fürchten
unkalkulierbare Risiken. TÜV-Organisationen entwickeln gemeinsames
Rahmenprogramm für Qualität und Sicherheit von KI-Systemen. Unabhängige Prüfung
soll Unternehmen einen belastbaren Nachweis gegenüber Kunden und
Geschäftspartnern ermöglichen. KI-Zertifizierung wird derzeit mit Pilotpartnern
erprobt und soll ab Ende 2026 für Unternehmen verfügbar sein.
Künstliche
Intelligenz hält mit hoher Geschwindigkeit Einzug in Wirtschaft und Alltag.
Gleichzeitig nehmen Berichte über fehlerhafte Ergebnisse, Bias und andere
Risiken von KI-Systemen zu. Das beeinflusst das Vertrauen in die Technologie:
Laut einer Studie des TÜV-Verbands fürchten 79 Prozent der Bundesbürger
unkalkulierbare Risiken durch KI. Und selbst unter den Nutzern von
KI-Anwendungen vertraut nur gut die Hälfte (53 Prozent) darauf, dass deren
Ergebnisse und Antworten korrekt sind. „Vertrauen wird zu einem entscheidenden
Faktor für die weitere Verbreitung Künstlicher Intelligenz“, sagt Marc Fliehe,
Fachbereichsleiter Digitalisierung und KI beim TÜV-Verband. „Unternehmen müssen
gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und Anwendern nachweisen können, dass ihre
KI-Systeme nicht nur leistungsfähig sind, sondern auch zuverlässig und sicher
funktionieren.“
Die
TÜV-Organisationen entwickeln deshalb ein gemeinsames Rahmenprogramm für die
Zertifizierung von KI-Systemen. Hersteller und Anbieter sollen damit künftig
unabhängig nachweisen können, dass ihre Systeme definierte Anforderungen an
Qualität und Sicherheit erfüllen. Die KI-Zertifizierungen werden derzeit
gemeinsam mit Pilotpartnern unter realen Bedingungen erprobt. Die Einführung
ist für Ende 2026 vorgesehen. „Künstliche Intelligenz wird sich auf Dauer nur
durchsetzen, wenn Menschen und Unternehmen ihr vertrauen können“, sagt Fliehe.
„Wer KI entwickelt oder einsetzt, muss zeigen, dass die Systeme zuverlässig
funktionieren und Risiken beherrscht werden. Mit der TÜV-Zertifizierung
schaffen wir dafür einen unabhängigen und nachvollziehbaren Nachweis. Das kann
zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal im KI-Markt werden.“
Unabhängige
Prüfung schafft Orientierung im KI-Markt
KI-Systeme
werden bereits heute in industriellen Produktionsprozessen, bei medizinischen
Diagnosen, in Fahrassistenzsystemen oder in Recruiting-Software eingesetzt. Je
nach Anwendung können Fehler erhebliche Auswirkungen auf Menschen, Unternehmen
oder technische Prozesse haben. Hinzu kommen spezifische Eigenschaften von
Künstlicher Intelligenz: Ergebnisse können beispielsweise bestimmte Gruppen
systematisch benachteiligen oder Systeme können in unerwarteten Situationen
unzuverlässig reagieren.
Mit dem AI Act
entsteht in Europa ein verbindlicher regulatorischer Rahmen für Künstliche
Intelligenz. Gleichzeitig wächst bei Unternehmen der Bedarf, die Qualität und
Sicherheit ihrer KI-Systeme auch unabhängig nachweisen zu können. Fliehe: „Eine
TÜV-Zertifizierung kann Kunden und Geschäftspartnern eine zusätzliche
Orientierung geben und Unternehmen dabei unterstützen, Vertrauen in ihre
Anwendungen aufzubauen.“
Pilotphase
läuft – Marktstart Ende 2026
Das
Rahmenprogramm und die einzelnen KI-Zertifizierungen werden vom TÜV-Verband
gemeinsam mit dem TÜV AI.Lab und den TÜV-Organisationen entwickelt. Der
TÜV-Verband koordiniert das Vorhaben. Das TÜV AI.Lab erarbeitet die fachlichen
Grundlagen, darunter Prüfanforderungen und Prüfkataloge. Experten der
TÜV-Unternehmen bringen ihre Erfahrungen aus Prüfung und Zertifizierung sowie
aus der praktischen Bewertung von KI-Systemen ein.
Derzeit
erproben die TÜV-Organisationen die KI-Zertifizierungen mit Pilotpartnern. Die
Pilotphase zeigt, wie sich die Prüfanforderungen und Prüfverfahren unter realen
Einsatzbedingungen bewähren. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die
Weiterentwicklung des Programms ein.
Drei
KI-Zertifizierungen – passgenau für unterschiedliche KI-Systeme
Das
Rahmenprogramm umfasst drei KI-Zertifizierungen, die sich in Umfang, Tiefe und
Methodik der Prüfung unterscheiden. Welche Zertifizierung zum Einsatz kommt,
richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungsfall und der angestrebten
Aussagekraft der Prüfung. Das Rahmenprogramm ist durchgängig mit den
Anforderungen der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) kompatibel und ergänzt
diese gezielt um risikobasierte sowie technische Prüfaspekte.
Die erste
KI-Zertifizierung richtet sich an KI-Systeme, die formal nicht unter die
Hochrisiko-Kategorie des AI Acts fallen. Sie prüft zunächst grundlegende
Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Die zweite KI-Zertifizierung steht
allen KI-Systemen offen. Sie umfasst eine strukturierte, KI-spezifische
Risikobewertung und überprüft anhand der Dokumentation, sowie vor Ort beim
Hersteller, wie die Anforderungen umgesetzt werden. Für die dritte
KI-Zertifizierung werden ausgewählte Eigenschaften des KI-Systems zusätzlich
durch unabhängige technische Tests überprüft. Dadurch lassen sich die
Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Systems vertieft bewerten. „Nicht
jedes KI-System stellt die gleichen Anforderungen an eine Prüfung“, sagt Dr.
Christoph Poetsch, Head of AI Quality and Ethics beim TÜV AI.Lab. „Deshalb
haben wir das Rahmenprogramm für die KI-Zertifizierung bewusst differenziert
aufgebaut. Ob eigenständige KI-Anwendung oder KI als Bestandteil eines
technischen Produkts: Die KI-Systeme der Hersteller werden risikoadäquat nach
der KI-Zertifizierung geprüft, die zu ihrem Anwendungsfall passt.“
Die
schrittweise Einführung der KI-Zertifizierungen ist für Ende des Jahres
geplant. Mit den KI-Zertifizierungen bringen die TÜV-Organisationen ihre
Prüfexpertise ein, um die Qualität und Sicherheit von KI-Systemen je nach
Anwendungsfall und erforderlicher Prüftiefe unabhängig zu bewerten.
Methodik-Hinweis: Die Angaben zum
Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Künstliche Intelligenz stammen aus der TÜV KI-Studie 2025. Die repräsentative Umfrage wurde im 26. Oktober 2025
durchgeführt.
Diese Website verwendet Cookies, um eine bestmögliche Erfahrung bieten zu können. Mehr Informationen ...