Sichere Nutzung von Wasserstoff: TÜV Thüringen prüft Versuchsanlage zur Gasaufbereitung in Bad Lauchstädt
Der Energiepark Bad
Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ist das mitteldeutsche Innovationsprojekt für die
Erzeugung „grünen Wasserstoffs“. Der Energieträger wird vor Ort aus erneuerbaren
Energien in einem Elektrolyseverfahren erzeugt. Die nachgeschaltete Messanlage
wurde bereits vor einem Jahr vom TÜV Thüringen geprüft und abgenommen. Mit der jetzt
bestandenen Dichtheitsprüfung sowie den Funktionstests an der Gasaufbereitungsanlage
kann der erzeugte Wasserstoff künftig zu Forschungszwecken genutzt werden, was
den nächsten Schritt in Richtung einer sicheren industriellen Wasserstoff-Nutzung
in Bad Lauchstädt darstellt. Der Energieparkbetreiber vertraut in Sachen
Anlagensicherheit konsequent auf die H2-Expertise des TÜV Thüringen.
Das Speichern von
überschüssiger Energie aus großen Windparks oder Photovoltaik-Anlagen gilt als
einer der Schlüssel unserer Energiewende. Der Energiepark Bad Lauchstädt dient
dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) dabei als
sogenanntes Reallabor, denn hier kann erstmalig eine direkte Kopplung von
Windstrom aus dem nahegelegenen Windpark mit einer Großelektrolyseanlage realisiert
werden. Wenn bei starkem Wind große Mengen überschüssiger Energie anfallen,
kann diese nun direkt vor Ort in „grünen Wasserstoff“ umgewandelt werden. Der
so erzeugte Wasserstoff kann in einer Salzkaverne zwischengespeichert und über
eine Gaspipeline in das Wasserstoffnetz der in Mitteldeutschland ansässigen
Industrie eingespeist werden. Perspektivisch soll dieser sowohl in der
Industrie als auch für Mobilitätslösungen nutzbar sein.Die
erste Wasserstoffproduktion der 30-Megawatt-Anlage wird noch in diesem Jahr
erwartet.
Auf dem Gelände des BMWE-Reallabors
wurde durch das DBI (Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg) zu
Forschungszwecken eine Gasaufbereitungsanlage errichtet. In dieser
Versuchsanlage wird der von der Großelektrolyseanlage hergestellte hochreine
Wasserstoff künstlich verunreinigt und anschließend wieder gereinigt. Gerade
beim Transport in ehemaligen Gasleitungen oder bei der Einspeicherung in Salzkavernen
sind Verschmutzungen durch Feuchtigkeit, Salzlösungen oder schwefelhaltige
Verbindungen aus Ablagerungen zu erwarten. Durch den Einsatz verschiedener
Reinigungsverfahren wie Adsorption, Absorption und verschiedener Molekularsiebe
kann der Wasserstoff wieder bis zu einem Reinheitsgrad von 99,97 Prozent veredelt
werden.Diese Qualität wird vielfach von der Industrie oder für
Mobilitätslösungen gefordert und soll durch dezentrale Gasaufbereitungsanlagen
direkt nach der Entnahme von Wasserstoff aus einem zentralen Pipelinesystem zur
Verfügung gestellt werden können. Die Versuchsanlage dient damit auch zur
Optimierung der Auslegung zukünftiger Gasaufbereitungsanlagen, sowohl bezogen
auf die Auswahl und Kombination der Reinigungsverfahren als auch bezüglich der
erforderlichen Anlagengröße.
Mit der
Dichtheitsprüfung an der Gasaufbereitungsanlage hat der Energiepark Bad
Lauchstädt nun einen zentralen Meilenstein für die saubere Erzeugung der
Energie von Morgen genommen. Sachverständige des TÜV Thüringen haben die
wasserstoffführenden Anlagenteile einer H₂-Dichtheitsprüfung mit bis zu 35 bar
unterzogen. Sie spürten mit den speziell für
Wasserstoffdichtheitsprüfungen angeschafften Wasserstoffspürgeräten
Undichtheiten auf. Das ist besonders wichtig, da Wasserstoff in Verbindung mit
Sauerstoff ein explosives Gemisch entwickeln kann. Wasserstoff kann aufgrund
seiner sehr kleinen Molekularstruktur selbst durch bisher erfolgreich in der
Industrie und Gasversorgung eingesetzte Dichtelemente diffundieren. Die höhere
Diffusion des Wasserstoffs durch Schweißnähte oder sogar die Rohrwandung stellt
in Bad Lauchstädt jedoch kein Problem dar: Bei der Prüfung wurden nur minimale Undichtigkeiten
an Dichtelementen festgestellt, die im Zuge der Inspektion beseitigt werden
konnten.
Der TÜV Thüringen
begleitet die stufenweise Inbetriebnahme der Wasserstoff-Anlage im Energiepark
Bad Lauchstädt bereits seit Mitte 2025. Während anfangs die
Wasserstoff-Expertise der Sachverständigen vom TÜV Thüringen gefragt war und
dabei Schweißnaht- und Festigkeitsprüfungen von wasserstoffführenden
Rohrleitungen durchgeführt wurden, kamen sukzessive weitere fachgebietsübergreifende
Anfragen auf den TÜV Thüringen zu. So wurden beispielsweise Anfang 2026 die
Inbetriebnahme-Prüfungen an Toren und am Säulenkran durch einen Sachverständigen
für Fördertechnik durchgeführt, bevor im Juni die Prüfungen der Elektroanlage,
der funktionalen Sicherheit und der Ex-Anlage begannen. Darüber hinaus wurde in diesem
Zeitraum auch die Brandmeldeanlage geprüft.